Professor M. Freise schreibt in „Dialogical humanities“ der Uni Göttingen einen bedeutungsvollen offenen Brief:

Offener Brief an Gabriele Krone-Schmalz zur Frage, wie man Russland verstehen kann

2. März 2015 | Von | Kategorie: Offener Brief, Rezensionen

Sehr geehrte Frau Krone-Schmalz,

Sie haben ein Buch publiziert mit dem schönen Titel Russland verstehen*1 .

Ich bin seit der Aufnahme meines Slavistik-Studiums 1978 bis zum heutigen Tag, als Professor für Slavische Philologie an der Universität Göttingen jemand, den man einen Russland-Versteher nennen könnte. Viele Monate meines Lebens habe ich in Moskau, Petersburg und der russischen Provinz verbracht, ich publiziere inzwischen fast nur noch auf Russisch, zu Kolleginnen und Kollegen von 20 verschiedenen Universitäten von Petersburg bis Cheljabinsk unterhalte ich nicht nur kollegiale, sondern auch freundschaftliche Beziehungen. Meine Liebe zu Russland wurde geboren aus der Liebe zur russischen Literatur, dieser in der welt einmaligen Kombination tiefen Nachdenkens mit artistischer Virtuosität. Und gerade weil ich Russland liebe, lassen mich die Ereignisse seit der Annektion der Krim nicht mehr ruhig schlafen. Diese Ereignisse und die mediale Begleitmusik dazu aus den staatlichen Medien der Russischen Föderation fügen mir einen geradezu physischen Schmerz zu. Sie als Russland-Kennerin unter den Medienwissenschaftlern haben doch sicherlich die offizielle russische Berichterstattung zur Ukraine verfolgt. Ich frage Sie – was gibt es da zu verstehen? Selbst wenn man sich in Bezug auf die Ursachen des Krieges streng um Neutralität bemüht, selbst wenn man realpolitisch von Interessen und Einflussphären und nicht von Demokratie und Menschenrechten spricht – selbst dann ist diese Berichterstattung absolut unerträglich, geradezu abstoßend. Ich war in der Brezhnev-Zeit ein Jahr lang als Doktorand in Moskau, ich weiß, was sowjetische Propaganda war, doch sie reichte nicht im entferntesten an dieses Gemisch von Lügen und Hetze heran, das, welcher Meinung sie auch immer zur Ukraine sind, meine Gesprächspartner in Russland auch durchweg ablehnen. Warum macht Sie als Medienwissenschaftlerin das nicht nachdenklich? Warum ruft das nicht Ihre Empörung als Journalistin hervor? Sprechen Sie darüber in ihren medienwissenschaftlichen Lehrveranstaltungen? Und vor allem: macht Sie das nicht nachdenklich in bezug auf das, was man als “Verstehen” Russlands bezeichnen könnte?

Ich kenne die Seelenlage der Menschen in Russland sehr gut, berufsbedingt natürlich vor allem der russischen Intelligenzia. Tatsächlich stimmen viele von ihnen nicht in die vehemente Kritik des Westens an Putins Politik ein. Doch nicht aus Solidarität mit der Regierung. Kennen Sie das nicht, dieses charakteristische russische Lebensgefühl, diese Mischung aus Resignation, Angst und Konzentration auf die Alltagsdinge? Dieses reflexhafte Wegschauen von der politischen Bühne? “Lies nicht soviel Zeitung”, raten mir meine russischen Freunde, wenn ich ihnen schreibe, wie sehr mich der Krieg Russlands gegen die Ukraine seelisch belastet. Nicht Putin, sondern diese Haltung zu verstehen heißt Russland verstehen! Und diese Haltung spielt einer politischen Führung in die Hände, die, da vom Volk gewählt, in einer repräsentativen Demokratie, im Namen dieses Volkes agiert. “In eurem Namen wird in der Ukraine getötet”, schreibe ich meinen russischen Freunden, doch wie Sie genauso wissen wie ich, sieht man als Russe sein Verhältnis zur Obrigkeit anders. Sie ist ihm auferlegt, wie ein unvermeidliches Übel. Diese Haltung kannten wir als Haltung des Sowjetmenschen, und wir hatten die Illusion, sie würde sich nach dem Ende der Sowjetunion wandeln. Bürgerrechte, Bürgerbeteiligung, Übernahme persönlicher Verantwortung, soziale Eigeninitiative, all das konnte sich auch nach dem Ende der Sowjetunion kaum entwickeln. Umso erstaunlicher ist die jüngste Entwicklung der Ukraine, die Majdan-Bewegung. Blutete Ihnen nicht das journalistische Herz, wenn die Aktivisten für eine freiheitliche und demokratische Gesellschaft auf dem Majdan in Moskau als vom Westen gesteuerte faschistische Banden verunglimpft wurden?

Sie und ich, wir versuchen beide, Russland zu verstehen. Wenn wir dabei zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, dann liegt das nicht am unterschiedlichem Informationsstand oder an einem unterschiedlichen politischen Hintergrund. Es liegt daran, wem wir jeweils unsere Empathie schenken, dem russischen Volk oder der politischen Führung im Kreml. Doch versuchen wir das aus meiner Sicht eigentlich Unstatthafte, versuchen wir uns sogar in die politische Führung Russlands einzufühlen. Hier wird am häufigsten das Argument der Einkreisungsängste angeführt. Und das Argument, der Westen habe “den kalten Krieg gewonnen”, weil Russland nach dem Zerfall der Sowjetunion schwach gewesen sei, jetzt aber kehre es zu alter Stärke zurück und beansprucht seine alte Einflusssphäre zurück. Ja, auch Frankreich hatte seine Probleme mit dem Zerfall seines Kolonialreiches und führte in Algerien Krieg. Wie stehen Sie als Historikerin zum Algerienkrieg? War es ein gerechter oder zu rechtfertigender Krieg?

In einem Punkt gebe ich Putin recht. Ja, der Westen hat den kalten Krieg gewonnen. Dies geschah aus zwei Gründen. Zum einen hat das Modell einer multinationalen Union der sozialistischen Sowjetrepubliken nie wirklich funktioniert. Natürlich wurde Russland als Kolonialmacht, als Fremdherrschaft empfunden. Wenn eine solche Macht Schwäche zeigt, nutzen die kolonialisierten Völker die Gelegenheit und steigen aus. Das Problem ist nur – wie schütze ich mich dann vor dem Zugriff der möglicherweise wiedererstarkenden Kolonialmacht? Ich muss mir starke Verbündete suchen. Polen suchte und fand zwischen 1918 und 1939 England und Frankreich, die Tschechoslowakei, 1938 im Stich gelassen von Frankreich und England, fand die Vereinigten Staaten von Amerika. Die “Satelliten” und Unionsrepubliken der Sowjetunion fanden die NATO. Wer aber niemanden fand, der ist jetzt verraten und verkauft. Kann es ein stärkeres Argument für die NATO geben? Oder sehen Sie das transatlantische Bündnis als Zwangsgemeinschaft unter der Fuchtel der USA? Warum hat dann nie jemand versucht, aus ihr auszutreten, nicht einmal der selbstbewusste De Gaulle? Nicht einmal die Erdogan-Türkei? Das ist doch merkwürdig!

Der Westen hat den kalten Krieg aber noch aus einem anderen Grund gewonnen. Neben den beiden “hard powers” Ökonomie und Militär, über die ein Staat verfügen kann, gibt es noch eine “soft power”, die Attraktivität, deren Gewicht, so der Harvard-Politologe Joseph S. Nye, meist unterschätzt wird. Russland hat einfach kein attraktives Gesellschaftsmodell, deshalb kam im Regionalparlament der ethnisch ja tatsächlich ganz überwiegend russischen Krim  die Partei, die offen den Anschluss an Russland propagierte, vor dem Staatsstreich, bei dem sie die Macht übernahm, auf ganze 5% der Stimmen. Auch viele ethnische Russen in Estland und Lettland sind mit dem Gesellschaftsmodell der EU ganz zufrieden und haben keine Lust auf Repatriierung, selbst wenn es ihren ökonomisch zum Teil schlechter geht als in der Sowjetunion. Russen sind pragmatischer, als unser Klischee von der russischen Seele es wahrhaben möchte. Natürlich fühlen sich die Menschen im Donbass Russland kulturell näher als der Westukraine, aber wenn die Ukraine tatsächlich die Chance hat, sich zu einer funktionierenden Demokratie mit eingedämmter Korruption zu entwickeln – würden sie trotzdem gehen wollen? Oder reicht ihnen für ihre russische Seele nicht Russen-Pop und russischsprachiges Fernsehen – was sie auch ohne Anschluss haben können? Die Ukraine war kein Pulverfass. Wie in Russland waren die Menschen in der Ostukraine auf ihre Alltagsprobleme fixiert und wollten mit Politik nichts zu tun haben. Ihnen war egal, ob sie zur Ukraine oder zu Russland gehören. Und jetzt sind sie plötzlich bereit, mit Waffengewalt dafür zu kämpfen? Das kommt sicherlich nicht vom Russen-Pop. Da geht es nämlich immer nur um Liebe.

Frau Krone-Schmalz, mein Beruf dient wie der Ihre der Vermittlung, dem Verstehen, dem Dialog. Und als glühender Verehrer der russischen Kultur kann ich nur sagen: von dieser politischen Führung in Russland werden alle Ideale dieser Kultur in den Schmutz getreten – Tolstojs Pazifismus, Dostoevskijs Verantwortungsgefühl, Čechovs Aufrichtigkeit, Puškins Europäismus, Turgenevs Solidarität mit den kleinen Leuten, Gogol’s Moralismus… Angesichts des aktuellen Zynismus im Kreml war mir selbst die Sowjetideologie sympathischer. Großrussischen Nationalismus und gekränkte Großmachtattitüde kann ich hier niemandem vermitteln und will es auch nicht. Russland steht für mich für andere Werte. Diese Werte zu propagieren, das und nur das heißt für mich Russland verstehen. Sind Sie da wirklich anderer Meinung?

Mit freundlichen Grüßen,

Matthias Freise

Ich schrieb ihm meine Antwort dazu persönlich, weil die geisteswissenschaftlichen Forscher der „Dialogical Humanities“, meinen Kommentar zu veröffentlichen, leider dazu wegen den zu vielen begeisterten Dank- und Zustimmungsschreiben keinen Platz für kritische Nachdenklichkeit frei hatten:

Von: Klaus-Peter Kostag [Kostag@gmx.net]
Gesendet: Mittwoch, 11. März 2015 00:48
An: Freise, Matthias;
Betreff: Mein herzliches Beileid fuer Ihren geistigen Erkenntnisstand

Lieber Herr Freise,

Ihr offener Brief an die Frau Krone-Schmalz zeigt, dass selbst Gebildetsein nicht vor Unlogik schützt. Dass Sie als Hochschullehrer in Ihrem Fach ein richtig Guter sind, bezweifle ich nicht. Aber Ihre weitere Weltsicht scheint mir weniger auf der knallharten Wertung von ausreichend vielen und zudem objektiven Fakten zu beruhen als auf einer individuellen Art festen Glaubens.

Es gibt eine Methode des Denkens in Zusammenhaengen. Hegelsche Dialektik, die mir als frueherem Kriminalisten sehr geholfen hat, komplizierte Zusammenhaenge nicht nur objektiv zu verstehen, sondern sie anschliessend der Staatsanwaltschaft und Gerichten sogar verstaendlich darlegen zu koennen. Gerade in der Aufklaerung raetselhafter Vorgaenge musste ich neben den vielen einfachen W-Fragen haeufig ermitteln, wem etwas nützt oder schadet, um bis hinter die letzten Geheimnisse zu kommen.

Russlands politische Probleme sind aehnlich denen anderer Staaten, sie sind weder groesser noch kleiner, weder besser noch schlechter, sie sind mit Sicherheit nur eines: Anders.

Frau Krone-Schmalz bewertet die zugrunde liegenden Ereignisse voellig anders als Sie. Sie ist bemueht, dialektisch an diese Dinge heranzugehen. Ihre logisch nachvollziehbaren Schluesse aus beweisbaren Fakten gestatten ihr zweckmaessige Loesungsvorschlaege, ihre Kritik ist konstruktiv. Chapeau! Eine bewundernswert klug vorausschauende Frau!

Sie jedoch Herr Freise, fallen auf Ihren eigenen eitlen Glauben herein, Empathie zu besitzen. Sie, lieber Herr Freise sind zwar offensichtlich. b e r e i t, Ihre Gegenüber zu erkennen und zu verstehen, aber nicht dazu f ä h i g ! Empathie jedoch ist die Summe von Bereitschaft und Fähigkeit. Weil Sie sich weniger vielseitig und umfassender informierten, informieren, (und sich auch vermutlich kuenftig nicht ausreichend informieren werden) daher weniger objektiv zu bewerten in der Lage sind als die Herausgeforderte, sondern stattdessen mehr an Etwas glauben muessen.

Diesen Glauben haben Sie in Ihrem offenen Brief tatsaechlich glaubhaft vorgeführt, Ihrer Argumente, Fakten, Widerlegungen jedoch ermangelt es. Ihr Gefuehlsschwall ehrt Sie als engagierter sich Äusserer, disqualifiziert Sie jedoch als Wissens- und Faktenvermittler. Wem nutzt es konkret, wenn Sie die russischen MSM und deren Gelenktheit bejammern, wem nutzt es, wenn Sie zwischen herzlich guten russischem Volk und seiner schlimmen Regierungspolitik einen Riesenunterschied sehen? Genau da kommt mir doch hier in unserer westlichen Wertegemeinschaft das von Ihnen angezeigt Bejammerte so verdammt verdaechtig bekannt vor….

Kurz:
Sie konnten Frau Krone-Schmalz nicht als fehlerhaft zeigen, mahnen, zum Umdenken bringen, derer Botschaft gar widerlegen noch als unsinnig beschaedigen.

Ihr Beitrag lieber Herr Professor hat fuer einen offenen Brief recht wenig Substanz. Haetten Sie doch besser geschwiegen, als Ihren Gefuehlszustand fuer derart wichtig und bedeutend zu halten, dass Sie ihn darzustellen fuer noetig und wertvoll empfanden.

Viel Lärm um ein triviales Nichts.

Mit mitfuehlenden Gruessen,

Klaus-Peter Kostag
Krone-Schmalz Versteher

Er antwortete mir äußerst elegant, schlagfertig und trefflich:
Gesendet: Mittwoch, 11. März 2015 um 09:05 Uhr
Von: „Freise, Matthias“
An: „Klaus-Peter Kostag“ <Kostag@gmx.net>,
Betreff: AW: Mein herzliches Beileid fuer Ihren geistigen Erkenntnisstand
Sehr geehrter Herr Kostag,
danke für Ihr Beileid. Ihre Einlassungen sind auch nicht gerade faktenreich, eher spekulativ wie die von Ihnen geschätzte Philosophie Hegels. Als ehemaliger Kriminalist wissen Sie übrigens bestimmt, dass bei einem Verbrechen die wichtigste Frage die nach einem Motiv ist. Wo ein Motiv ist, in die Richtung muss auch ermittelt werden. Unter diesem Gesichtspunkt ist der Umgang der russischen Behörden mit dem Mordfall Nemcov äußerst interessant. Und dann an den ehemaligen Kriminalisten noch die Frage, ob Sie die „Fakten“ der Frau Krone-Schmalz empirisch widerlegen können. Können Sie Russisch? Verfolgen Sie russisches Fernsehen? Informieren Sie sich auch über die alternativen russischen Medien? Waren Sie vor Ort?
Mit den besten Empfehlungen
M. Freise
Ich beantwortete ihm gern seine erhellend guten Fragen:
Sehr geehrter Herr Freise,
Zu Ihren letzten vier Fragen jeweils: Nein!
Zur Frage davor, ob ich  Frau Schmalz-Krones „Fakten“ empirisch widerlegen könne, zwar verwundert, aber ebenso entschieden „Nein“. Jedoch kann ich sie, die Frau Professor, aus meinen gesammelten Informationen, Daten und daraus gewonnenen eigenen Erkenntnissen fast ausnahmslos bestätigen.
Aus genau diesem Grund hatte ich Ihnen aber doch eigentlich geschrieben. Haben Sie meine Zeilen denn wirklich verstanden? Oder muss ich Ihre Antwort als voreiligen Spontan-Schnellschuss nach zu oberflächlichem Überfliegen eines „blöden Meckerers“ werten, wollten Sie, ganz im Gegenteil allerdings statt dessen wissen, ob ich:
„die „Fakten“ der Frau Krone-Schmalz empirisch  b e s t ä t i g e n  könne“?
a)
Empirie ist meine stete Methode, die Weltläufe in ihren Zusammenhängen „hegelianisch“ erkennen zu wollen. In meinem achten Lebensjahr beispielsweise fand ich, empirisch gestützt, 171 Jahre nach Gauss, herausgefordert durch eine mich beleidigend unkreative Aufgabe, selbst die „Summenformel“, war also nach den alten Griechen und Gauss der dritte Erfinder derselben.
b)
Meine beste Punktzahl im weltweit bekannten Windows-PC-Spiel Solitaire liegt derzeit bei 15517 Punkten in 46 Sekunden, kein Zufall sondern empirisches Ergebnis/Produkt.
c)
Ich bin zwischen 2003 und 2011 zwanzigfacher Medaillengewinner bei EM und WM im Veteranenjudo je dreimal Welt- und Europameister in einer Sportart, die zu solch Dauererfolg nicht den Muskel- sondern empirisch Gehirnbepackteren führt.
d)
Deswegen resultiert mein Erkenntnisstand zwar nicht aus original russischen jedoch vielen sachkundig nahen Quellen ausgenommen „Anna News“. Zudem bin ich als der beschriebene Sportler und Wettkämpfer über 9 Jahre hinweg mit vielen russischen Sportfreunden in Kontakt. Ich traf bei ihnen trotz offenster politischer Dispute nie einen überzeugten Ablehner Putinscher, gar russischer Politik insgesamt.
e)
Ich fand heute jedoch einen sehr nachdenklich machenden amerikanischen Text:
Paul Craig Roberts
 

„Die Bedrohung geht von Washington aus und erscheint in Form der Dämonisierung Rußlands und seiner Machthaber.

Wolf Blitzer (CNN, 13. März) benutzte den Mantel eines neuen Programms zur Ausstrahlung einer Propagandaveranstaltung direkt aus dem Dritten Reich oder etwa aus George Orwells 1984. Die Orchestrierung stellte Rußland als immense militärische Bedrohung dar. Der Bildschirm war gefüllt mit aufsteigenden Raketen und einer Sammlung der drängenden, provokativen Maßnahmen des amerikanischen Generals, Strangelove, gegen die russische Bedrohung. Blitzers Programm ist Teil einer organisierten Propagandakampagne, deren Absicht darin besteht, die Amerikaner auf einen Konflikt mit Rußland vorzubereiten.

Es war eine dermaßen verantwortungslose Propaganda und so viele unverfrorene Lügen für einen Medienkonzern, daß die Sorglosigkeit der CNN und Wolf Blitzer vor einer öffentlichen Anklage wegen Kriegstreiberei offensichtlich war. Die sogenannten „Mainstream Medien“ haben sich in ein Propagandaministerium verwandelt.

Ähnliche Propaganda wird im Vereinigten Königreich verbreitet, wo Verteidigungsminister Michael Fallon Rußland zu einer „real existierenden Gefahr“ für Europa erklärte. US-Truppen und -Panzer werden, unter dem Vorwand eines drohenden russischen Angriffs, hastig in die baltischen Staaten verbracht.

Daß hohe Regierungsbeamte schamlos so unverfrorene Lügen ohne den Hauch eines Beweises verbreiten, sollte sie in Todesangst versetzen. Wir sind Zeugen der totalen Mißachtung der Wahrheit und des menschlichen Lebens durch hohe Regierungsbeamte und die presstituierten Medien.

Die Propaganda führt die Welt dem Krieg entgegen. Die Propaganda hat das Vertrauen unter den Atommächten zerstört und die Bedrohung durch ein nukleares Armageddon wieder aufstehen lassen. Die russische Regierung sieht, daß Washington und seine NATO-Vasallen eine nicht existente russische Bedrohung heraufbeschwören. Diese heraufbeschworene Bedrohung dient dem Zweck Rußland zu schaden.

Die von ihren Presstituierten verbreitete Propaganda Washingtons, ist die unverantwortlichste Tat in der Geschichte der Menschheit. Reagan und Gorbatschow haben die Gefahr eines Atomkriegs erfolgreich gebannt, und die wahnsinnigen Neokonservativen und ihre Medienhuren haben sie zurückgebracht.

Washingtons Propagandaangriff gegen Rußland und Wladimir Putin ist der gleiche wie Washingtons Propagandaattacke gegen Afghanistan und Osama Bin Laden, den Irak und Saddam Hussein sowie Libyen und Gaddafi. Bedeutet das, daß Washington einen präventiven Nuklearangriff auf Rußland plant?

Wenn, dann bedeutet das das Ende der Welt. Tatsächlich sitzt die wahre Bedrohung für die Vereinigten Staaten und die gesamte Welt in Washington, nicht in Moskau. Die Bedrohung besteht aus der irrsinnigen neokonservativen Ideologie einer Weltherrschaft durch die Vereinigten Staaten, unterstützt von der unbändigen Gier amerikanischer Konzerne nach der Kontrolle der Bodenschätze der Welt.

Putin begreift den Ernst der Lage und arbeitet hart daran sie zu lösen, aber Washington hat eine Lösung unmöglich gemacht. Washingtons Forderung an Putin ist die Übergabe der Krim und der russischen Schwarzmeerflotte, die Aufgabe der russischen Bevölkerung in der Süd- und Ostukraine sowie das Einverständnis mit NATO-Stützpunkten in der Ukraine. Washingtons Forderung ist die Forderung nach einer vorbeugenden Kapitulation.

In der Propaganda-Show des CNN unterließ es Wolf Blitzer zu berichten, daß deutsche Geheimdienste Washingtons Behauptungen bestreiten, und daß die französische und die deutsche Regierung schließlich bemerkt haben, daß Washington irre ist und händeringend daran arbeiten Washington von seinem Kriegskurs abzuhalten.

Washington und seine britische Marionette haben das gesamte 21. Jahrhundert mit der Erschaffung von Tod und Zerstörung verbracht. Sie sind in sieben Länder einmarschiert, die sie mit Flugzeugen und Drohnen bombardiert haben, um „Demokratie zu verbreiten“. Der Irak ist ebenso zerstört wie Afghanistan, Libyen und Somalia. In Syrien ist es ähnlich, und Pakistan und der Jemen sind durch die unaufhörlichen Luftangriffe der Vereinigten Staaten politisch wie gesellschaftlich destabilisiert. Die demokratisch gewählten Regierungen von Honduras und der Ukraine wurden durch amerikanische Putsche gestürzt. Venezuela steht als nächstes in einer Reihe mit Bolivien, Equador, Argentinien und Brasilien, die auf ihren Umsturz warten.

Washington hat der Welt 14 Jahre brutaler und inhumaner Kriege bereitet. Ist das nicht genug des Bösen? Hat uns Washington mehr zu geben?

Washington und die Presstituierten haben ihre Menschlichkeit verloren. Sie sind zu Agenten des Bösen geworden. Sollten Atompilze aufsteigen, wird die Verantwortung bei Wolf Blitzer, der CNN und den Presstituierten liegen, welche die Kriegstrommel rühren.“

Ende des Zitats.
Der Mann weiß, wovon er spricht.
Sehr geehrter Herr Freise, Ihr offener Brief stellt Ihre unlogische Haltung schonungslos offen dar, es ist eine Geisteshaltung aus Glauben, nicht aus Empirie. Sie wollen sicher nicht atomisiert werden, tun aber alles dafür, dass es so kommen wird. Alle meine Empirie, meine Logik spricht dafür. Glauben Sie mir bitte, mein Beileid mit Ihnen ist nicht gehässig, sondern einfach verständnislos, fassungslos:
„Ein so strohdumm wichtigtuender Hochschullehrer, ein Fachidiot bestenfalls! Schreibt über Empirie, als würde er sie praktizieren. Redet dabei wie ein Blinder von Farben. Ach, würde doch besser ein wenig Empirie des Paul Craig Roberts in Ihnen stecken . . .“
Sie tun mir leid, können schonungslos offensichtlich Fakten, einzelne und ganze Bündel davon nicht erkennen, anerkennen, logisch zuordnen. Sie erkennen den Wald vor lauter Bäumen nicht und weiß der Teufel, wenn die russische Atomrakete Sie dann im Wortsinn     v e r g l ü h t,   Ihren Schatten vielleicht in Stein meißelt, (Hiroshima!!!) werdenSie nicht mal mehr genug Zeit haben, Ihren geistigen Erkenntnisstand endlich als Unkenntnisstand zu erkennen und verfluchen.
Bedauernd,
Klaus-Peter Kostag
und setzte kurz darauf noch eine nächste Mail nach, ein anderer offener Brief eines Professorkollegens:

Sehr geehrter Herr Freise,

hätten Sie statt Ihrer schriftlichen Gefühlsaufwallung der Frau Professor Schmalz-Krone einen wegen seiner „empirisch bestätigten Fakten“ schwergewichtigeren offenen Brief senden können statt Trivialität vorzuführen, wären Sie besser beraten gewesen.

Ein Muster für Sie, fürderhin weiterer Blamage vorzubeugen:

An Open Letter to Petro Poroshenko

by Michael Pesek, March 07, 2015

Dear Petro Poroshenko,

Be careful of American support.

Now that you are about to become a close ally of the US and a dictator at the same time, you should be warned that this might not be the beginning of a long-living love affair that inevitably ends with an account full of dollars, an army equipped with the finest stuff ever produced to kill your enemies, with the warm feeling of security because your American advisers taught your people how to get rid of your opponents, and with standing ovations at the UN Security Council for whatever you will say against Russians and other foes.

This is a little history lesson to remind you that the weather in Washington is much more capricious than the continental climate of Eurasia.

The US certainly won Cold War, but not necessarily their Allies. One of the first to experience that fine difference was Saddam Hussein, Washington’s close ally in the Middle East for much of the 1980s. Hussein was a CIA asset to overthrow the Qassim-Regime, which was for the Americans too close to Soviet Union. In 1963, he successfully organized a coup and rewarded his American supporters by killing hundreds of Iraqi communists and with oilfields for American companies. But only in 1979, after another coup in Iraq and one in Iran, Hussein became chosen by the US as “ our bad guy“ in the region. When the Mullahs in Iran blow away the Shah, he became a useful idiot to take revenge for one of the biggest failures of American policy in the Cold War. Whatever he wished from the US to wage a war against Iran, he got it. Americans can be very generously, no question about it. They even provided him with chemical weapons to kill whoever he liked to kill.

However, it took not a long time after the Soviet Union collapsed, that the Americans changed their attitude towards Saddam Hussein. For their new grand gamble to rebuilt the Middle East, he was now more useful as an enemy than as an ally. Hussein was trapped to invade Kuwait to provide a pretext for the First Gulf War, followed by years of the sanctions, the no-fly-zone, and it ended with another gulf war, and a hole as the last refuge for Saddam and a not so nice execution in the dark of the night.

Lesson learned? You can kill as much as enemies of the US as possible, you can sell your natural resources, but it will not shield you, when the storm from Washington takes another direction.

Do you remember Mobuto Sese Seko, the long-standing ally of Americans in the heart of Africa? You should, Ukrainian peacekeepers went there to tame the chaos that was left by his downfall in 1997. With the help of the CIA, Mobuto took over the Congo by a coup d’etat in 1965, and since then he was their most willing ally in Africa. He was their man to deliver weapons for the UNITA in the Angolan civil war and for the RENAMO in Mozambique, and of course, he was to ensure the unhindered plunder of the Congo by American companies, most notably the plutonium for American atom bombs. But then in the 1990s, Americans lost their interest in Africa, and Mobuto with all his eccentricities, his corruption and incompetence became a burden for President Clinton, who was propagating a new world order free from such oriental despots. If Mobuto had lived long enough to read the leaked telegrams of the US Embassy in Kinshasa, he would have learned that despite all the services he did for the US, he wasn’t in such high regard by his American allies.

Lesson learned? You can shake as many hands of American presidents and politicians as you want, you will never know what they really think of you.

Not scared enough, because you think these are fancy tales from the old times of the Cold War? How about Noriega, trained by the CIA to control the Panama and to help them with their war against the drug cartels in the 1980s. But then, in the wake of the Contra-Iran scandal of 1986, his involvements in drug smuggling became somehow a nuisance for the dirty warriors of the US. In order to get rid of him, the US invaded Panama at the end of 1989 and arrested him after they treated him with noisy rock music for days to force his surrender. He was sentenced to 40 years in prison, released after 17 years only the take another round in a French prison.

Lesson learned? American pop culture is not only for entertainment it can be a weapon, too. You may have buried your not so humble origins in war of oligarchs in the 1990s, but there is certainly some file at Langley waiting to be opened if it suits somebody.

There are so many other dictators who tried to strike a deal with the US only to end up in prison or on a graveyard. What about Colonel Muammar al-Ghadafi? Okay, he was an arch enemy of the US for most of his life. But when he tried to change the sides and supported the American war on terror by offering the services of his torture experts to hunt Al-Qaeda, he was not awarded with American friendship but with bombs that drove him out of his palace and an assassination squad that killed him. Assad of Syria, who tried to buy time by offering similar services, barely missed that fate, but only with the help of Putin. Russians, it seems, are more loyal to their „bad guys“. Think about Castro! Who was freed from his debt burden by the Russians last year. Do you hope the IMF will be that generous? Or the Chinese, after all the years, they still stick to Mugabe even if Xi Jinping is miles away from Zhuo Enlai, who laid the foundations of this special relationship in the 1960s. I guess, they even still sing together revolutionary songs behind closed doors, after some drinks.

Lesson learned? The University of Kiev, where you made your degree, is, after all, not Ivy League and that is all what counts. As a former apparatchik you will never know if your conversion to a democrat and capitalist is taken seriously by your American allies. You will be under suspicion as all the other converted ex-terrorists, ex-Marxists, ex-dictators, who bow to the American flag.

American politics, you should know, are a snake pit. There are so many agencies, institutions, lobby groups involved that you will never know who is in charge of foreign policy. There are dozens of think tanks that, in order to be heard in this choir of voices, come up with a constant stream of new strategies, priorities and emerging conflicts to be made relevant to the US. The president, despite all the glamor and pithiness surrounding his office, is only a moderator between all these different factions and voices. The American empire is overstretched, there are so many conflicts to be manipulated, so many interests to be served that you can never be sure what is your actual ranking on the priority list. After all, the only thing what counts are domestic politics, the polls and the contributions for the re-election campaigns. In this murky world of an empire that regards itself as chosen by god and as indispensable, you are what you are: an outsider, an useful idiot in your best days, a burden when the US changes its priorities or loses its interest for you.

I hope you will sleep well.

Michael Pesek is a lecturer in global history at the Humboldt-University of Berlin for many years. He has been published in major German and French newspapers.

Kurz darauf bot sich ein weiterer kluger Schreiber, Professor, mit einem begeisternd faktenreichen Werk an, Herrn Professor Freise kreativ zu beflügeln:

Von: Klaus-Peter Kostag [Kostag@gmx.net]
Gesendet: Samstag, 21. März 2015 17:45
An: Freise, Matthias;
Betreff: Empirie/ Dossier in einem so genannten „Hörspiel“/ Hintergrund Kultur. Überzeugend ernsthaft, der Professor Müller. Keine Trivialliteratu über Gefühle, sonderrn belegt, faktengestützt. Schreibt völlig anders als Sie, nicht mit Bauch, sondern Hirn!
Werter Herr Professor Freise,


wenn Sie aus Fehlern lernen könnten, allerdings bedarf es dazu außer Klugheit innerer Einsicht, vielleicht ein weiteres künftiges Vorbild für Sie. Da wird Empirie in einem 
überzeugenden Dossier sichtbar. Der Deutschlandfunk hat es gestern in einem so genannten "Hörspiel/ Hintergrund Kultur" aufgeführt. Überzeugend ernsthaft, dieser Professor 
Klaus Müller. Keine poetische Trivialliteratur über seine Gefühle, keine besserwisserische Belehrung wie man Russland zu verstehen hätte, hier ein noch komplizierteres Ding, 
die Ukraine, sondern empirisch belegt, faktengestützte Selberdenkanleitung. Professor Müller schreibt völlig anders als Sie, nicht mit Bauch, nicht mit Herz, sondern Hirn! 
Ich fühle mich hier nicht, welcher auch immer, politisch parteilichen Propaganda ausgesetzt, sondern eher nachdenklich gegenüber all meinen bisherigen Vorurteilen als 
aufgeklärter Ukraine Verstehen Beginner. 
Persönlichkeiten wie die von Ihnen belehrte Frau Professor Krone-Schmalz bezeugen in der Regel eher höheren Respekt vor einem klugen Gegner als gegenüber einem beschränkten 
Freund.
Dass die Frau Professor Ihnen jedoch nicht zurückschreibt, sich verschwendet, ist im Umkehrschluss ausschließlich der Leichtgewichtigkeit Ihres Briefes geschuldet. Sicherlich 
waren Sie im Rahmen Ihrer Möglichkeiten bemüht, konnten jedoch im vorliegend "Offenen Brief" nur den aufkommenden Verdacht bestätigen, dass das allerpeinlichste Gegenteil von 
"Gut" nicht etwa "Böse", sondern "Gut gemeint!" ist.
Deswegen bete ich für Sie, dass Gott auch all Ihre künftigen Bemühungen segne, Ihre Absichten an Statt der Tat annimmt.


Klaus-Peter Kostag





DEUTSCHLANDFUNK
DOSSIER	Sendung: 
Hörspiel/Hintergrund Kultur	Freitag, 20.03.2015
Redaktion: Karin Beindorff	19.15 - 20.00 Uhr




Die Ukraine am Abgrund

Wie oligarchische Politik und ethnische Polarisierung die Ukraine zerreißen
Von Professor Klaus Müller, 
Politikwissenschaftler und Experte für die Transformationsprozesse im ehemaligen Ostblock. 
Er lehrt an der AGH University for Science and Technology in Krakau.

URHEBERRECHTLICHER HINWEIS

Dieses Manuskript ist urheberrechtlich geschützt und darf vom Empfänger ausschließlich zu rein privaten Zwecken genutzt werden. Jede Vervielfältigung, Verbreitung oder sonstige Nutzung, die über den in §§ 45 bis 63 Urheberrechtsgesetz geregelten Umfang hinausgeht, ist unzulässig.

(c) Deutschlandradio
- Unkorrigiertes Manuskript - 


Sprecher 1
Die Kiewer Regierung demonstrierte am 22. Februar 2015 die Einheit der Nation - ein Jahr nach dem Sturz Viktor Janukowitschs. Wenig hat die prekäre Lage der Ukraine so deutlich 
vor Augen geführt wie dieser "Marsch der Würde".
Angeführt von Präsident Petro Poroschenko und Premier Arseni Jazeniuk, erhoben 10.000 Teilnehmer die Toten des Maidan-Aufstands - in einer Anspielung an kosakische 
Kampfformationen des 16. Jahrhunderts - zur "himmlischen Hundertschaft". 
Der Ernst der Stunde ließ die Frage im Ansatz verstummen, ob sich der Opfergang des zurückliegenden Jahres gelohnt habe. 

Sprecherin 1  "Wir sind Europa", war auf den Plakaten zu lesen. Die Teilnehmer skandierten "Ruhm der Ukraine" und "Tod dem Feind". Die Liste der angereisten internationalen 
Gäste war kurz: Neben dem Präsidenten der Republik Polen Bronislaw Komorowski, Litauens Präsidentin Dalia Grybauskaite und dem polnischen EU-Ratspräsidenten Donald Tusk hatte 
sich Bundespräsident Joachim Gauck eingefunden. 

Sprecher 1
Gauck wollte der Ukraine für die aufopferungsvolle Verteidigung europäischer Werte gegen die Aggression Russlands danken. 
Zweifel, ob die Demonstration vom 22. Februar eine vereint verteidigende Nation repräsentiert, sind gleichwohl angebracht. Und es ist fraglich, ob das propagierte 
Bedrohungsszenario eines neuen, von Russland ausgehenden "kalten Kriegs" die dramatische wirtschaftliche und politische Lage der Ukraine zu erfassen vermag.  

Musik

Ansage:
Die Ukraine am Abgrund
Wie oligarchische Politik und ethnische Polarisierung die Ukraine zerreißen
Ein Dossier von Klaus Müller


Sprecher 1
Die Mythologisierung des Maidan ist in vollem Gang. 

Sprecherin 1
Es ist geplant, den Stadtkern Kiews in eine weiträumige Gedenkzone mit einem Maidan-Museum, einem Denkmal und einem internationalen Kulturzentrum umzugestalten. 
      
Sprecher 1
Die Untersuchung der tödlichen Februartage 2014 hat dagegen kaum begonnen. 

Sprecherin 1
Ein lange angekündigter offizieller Untersuchungsbericht liegt bis heute nicht vor. Drei ukrainische Sicherheitspolizisten wurden angeklagt, einer von ihnen ist nach Entlassung 
aus der Untersuchungshaft untergetaucht. Am 12. Februar präsentierte die BBC eine Dokumentation, nach der radikale Vorkämpfer des Protests an den tödlichen Schusswechseln 
beteiligt waren. Über mögliche Hintermänner herrscht Unklarheit. 

Sprecher 1
Die Ermittlungen laufen leer. Regierung, Justiz und Sicherheitsapparate sind, wie in alten Tagen, bestens aufeinander eingespielt.
Vor allem aber brechen sich die symbolischen Bezeugungen der inneren Einheit der Ukraine an den Realitäten der ukrainischen Politik. Nach zwei international anerkannten Wahlen 
im Mai und Oktober 2014 waren westliche Politiker zwar erleichtert, mit einer legitimen Führung verhandeln zu können. Der Sieg von zwei prowestlichen Parteien, des Blocks Petro 
Poroschenko und der Volksfront Arseni Jazeniuks, wurde als demokratischer Durchbruch und die Westverschiebung der Ukraine begrüßt. 
Einige Schönheitsfehler wurden dabei jedoch übersehen: Die vor der Präsidentschaftswahl im Mai zugesagte Reform des hochgradig korruptionsanfälligen Wahlsystems blieb aus. 
Oligarchen, die die Parteien finanzieren, hatten in alter Tradition ihre Kandidaten auf den Listen platziert. Poroschenko selbst hatte nicht darauf verzichtet, seinen regionalen 
Clan und seinen älteren Sohn ins Parlament zu hieven.
Musikakzent

Sprecher 1
Gegen die Interessen des politischen Establishments konnten die zivilgesellschaftlichen Impulse des Maidan nur begrenzt Wirkung entfalten. Einige Aktivisten hofften darauf, 
die korrupten Strukturen der Politik von innen aufbrechen zu können. Doch schon um ins Parlament einzuziehen, waren sie auf die finanzielle und mediale Hilfe des Establishments 
angewiesen. Nun machen sie in der Legislative die Erfahrung, als "Plankton" zwischen den Machtgruppen zu flottieren. 

Musikakzent

Sprecher 1
Höhere Autorität als die vielbeschworene Zivilgesellschaft besitzen die Kommandeure der im Bürgerkrieg aktiven Freiwilligen-Batallione. Als nunmehr gewählte Abgeordnete haben 
sie einen militarisierten Stil ins Parlament eingeführt. Darin treffen sie sich mit Jazeniuks Volksfront und insbesondere mit der ebenfalls mitregierenden Radikalen Partei. 
Deren Vorsitzender, Oleg Ljaschows, empfahl sich durch eine eigene Kampfgruppe, die sich der Rückeroberung der Donbas-Region im Osten der Ukraine verschrieben hat.

Sprecherin 1
Die "Westverschiebung" des Parlaments kam auch durch die geringe Wahlbeteiligung zustande, die geringste seit Bestehen der Ukraine: 4,6 Millionen Bürger im Osten des Landes 
konnten nicht abstimmen. 

Sprecher 1
Damit waren die Probleme, die in den östlichen Regionen traditionell im Vordergrund stehen, von vornherein unterrepräsentiert, nämlich soziale, wirtschaftliche und ökologische 
Fragen sowie verbesserte Beziehungen zum benachbarten Russland. 
Der Krieg überschattet alle anderen Themen. Ein früherer Parlamentsbeschluss, die militante Spitze des Maidan zu entwaffnen, blieb folgenlos. Stattdessen schloss sich der 
rechtsradikale Teil des Protests zu Milizen zusammen. Er setzt seine Version einer nationalen Revolution gegen den Widerstand im Osten durch.vi Die rechtsradikalen Milizen 
bilden zwar die Minderheit unter den über 50 Freiwilligen-Batallionen, haben aber aufgrund ihrer Radikalität früh Aufmerksamkeit auf sich gezogen. 

Sprecherin 1
Das "Sondereinsatz-Regiment Asow" gibt seinen weltanschaulichen Kampfauftrag durch sein Regimentsabzeichen offen zu erkennen: ein spiegelverkehrtes SS-Emblem. Sein Kommandeur, 
Andrej Biletsky, wurde von Präsident Poroschenko persönlich mit einem Tapferkeitsorden ausgezeichnet; im Oktober ist Biletsky ins Parlament eingezogen. Die Kampfmethoden einer 
weiteren rechstradikalen Formation, des "Aidar-Batallions", wurden von Newsweek mit denen des Islamischen Staates verglichen. vii Beide Batallione operieren außerhalb der 
Befehlsstruktur der ukrainischen Armee. Sie sind dem Innenministerium unter Arsen Awakow unterstellt 

Sprecher 1
- einem Politiker, der die Kiewer Polizei für bekennende Rechtsextremisten geöffnet und ihre Leitung einem militanten Neonazi anvertraut hat. 

Sprecherin 1
Der ukrainische Politikwissenschaftler Anton Shekhovtsov beobachtete:

Sprecher 2
"eine fortschreitende Infiltrierung der ukrainischen Strafverfolgungsbehörden und anderer Staatsorgane durch die extreme Rechte. (...) Die problematische Beziehung zwischen 
Innenministerium und Neonazis unterminiert die Glaubwürdigkeit der neugebildeten ukrainischen Regierung international wie auch im eigenen Land." 

Sprecher 1
Der Kiewer Regierung aber gelten die Freiwilligen-Batallione als "Modell einer neuen Armee".
Unter diesen Voraussetzungen war an eine Aussöhnung zwischen den politischen Lagern und den Regionen nicht zu denken; die Wiederherstellung der Ukraine als politische 
Gemeinschaft ist in die Ferne gerückt. Schon in einem frühen Stadium des Konflikts wurden Verhandlungen kategorisch abgelehnt - ein folgenschweres Versäumnis, das in die Hände 
ostukrainischer Separatisten spielte. Die im April 2014 eingeleitete "Anti-Terror-Operation" gegen die Rebellion im Osten des Landes ist zu einem Krieg ohne klare Fronten und 
Regeln eskaliert. Auf beiden Seiten kämpfen lokale Gruppierungen, nationalistische Weltanschauungskrieger, Privatarmeen von Unternehmern, mafiöse Banden - und ausländische 
Söldner. 

Sprecherin 1
Diesem Krieg sind nach offiziellen Angaben bisher mehr als 6000 Personen zum Opfer gefallen. Die Zahl der internen Flüchtlinge überschreitet die Millionengrenze, 600.000 
Ukrainer haben das Land verlassen; 400.000 von ihnen sind nach Russland übergesiedelt.x

Sprecher 1
Unter dem Eindruck des Kriegsverlaufs schritt die Entzauberung der Maidan-Revolte schneller voran als vor 10 Jahren die der sog. "Orangenen Revolution".
In ihrem Zerfall, der bereits mit dem Amtsantritt Petro Poroschenkos einsetzte, wird die Maidan-Bewegung als das erkenntlich, was sie bereits bei ihrer Entstehung im Spätherbst 
2013 war: eine temporäre Koalition höchst unterschiedlich motivierter Protestgruppen. 

Musikakzent

Sprecher 1
Der Lemberger Kulturwissenschaftler Roman Dubasevych hat die enttäuschten Hoffnungen des Aufbruchs in eine Reihe beunruhigender Fragen übersetzt - Fragen, welche die gegenwärtige
 Führung des Landes durch den Hinweis auf den äußeren Feind im Osten peinlichst umgeht: 



Sprecher 2
"Warum mussten die Ereignisse in Kiew trotz der vielen positiven Gefühle in einer Tragödie und blutigen Konfrontation enden? Diese Frage lässt uns keine Ruhe. Warum folgte auf 
die erste "himmlische Hundertschaft" in Kiew eine zweite, dritte, zehnte und fünfzigste in der Ostukraine? (...) Wenn wir die Ideen des Maidan bewahren wollen, müssen wir aber 
auch fragen: War in ihm neben Solidarität und Menschlichkeit auch der Keim eines künftigen Krieges angelegt?"

Sprecher 1
Einige Fragen muss sich allerdings auch die westliche Politik gefallen lassen. 

Sprecherin 1
Die EU und die USA waren von Anfang an tief in die Kiewer Protestbewegung involviert. 

Sprecher 1
Westliche Spitzenpolitiker haben dem Protest durch ihre Teilnahme nicht nur eine internationale Öffentlichkeit verschafft. Sie haben die riskante Konstruktion der ukrainischen 
Staatlichkeit zu einer geopolitischen Auseinandersetzung überhöht - einer Staatlichkeit, deren Konfliktpotenzial seit der Unabhängigkeitserklärung immer wieder aufgekeimt war. 
Die Mythologisierung der Maidan-Revolution war für westliche Politiker insofern entlastend, als sie den Blick von den internen Machtkämpfen der Ukraine ablenkte - 
und von der Frage, woran bereits die "Orangene Revolution" von 2004 gescheitert war. Analysen der strukturellen Probleme schienen sich durch diesen neuen Mythos zu erübrigen - 
Analysen der ukrainischen Staatlichkeit, der Aushöhlung der politischen Institutionen durch konkurrierende Machtgruppen, der Rolle rechtsradikaler Militanz oder der regional 
differenzierten Interessenlage der Bevölkerung.

Musikakzent
Sprecher 1
Zweifellos war die Ukraine äußeren Einflüssen ausgesetzt, insbesondere solchen aus Russland. Es war jedoch der ukrainischen Unternehmerklasse geschuldet, dass die Wirtschaft 
bereits im ersten Jahrzehnt der Unabhängigkeit weit hinter Polen und selbst hinter Weißrussland zurückfiel. 2004 und 2014 nutzten die Machteliten den auf die Straßen getragenen 
Protest einer frustrierten Bevölkerung als Demokratiefassade. Tatsächlich ging es dahinter um die Umverteilung von Macht unter den Oligarchen. 

Musikakzent

Sprecher 1
Entstanden sind die dominierenden Clans auf dem Weg in die Unabhängigkeit. Staatliche Souveränität war das Programm, das die kommunistische Führung des Landes von den 
westukrainischen Nationalisten übernahm, um sich aus der zerfallenden Sowjetunion herauszulösen. Zugleich wollten die alten Kommunisten ihre Machtpositionen erhalten. Dem letzten 
Vorsitzenden des Ukrainischen Obersten Sowjets, Leonid Krawtschuk, gelang das Kunststück, sich an die Spitze der bislang unterdrückten Nationalbewegungen zu setzen, indem er 
Ukrainisch zur Staatssprache erhob. Die Schuld an der desaströsen wirtschaftlichen Lage schrieb er dem Moskauer Zentrum zu. Die Interessen der Fabrikdirektoren und Beschäftigten 
in den östlichen Industrieregionen wurden durch die Privatisierung ihrer Unternehmen in ukrainische Hände bedient. 
Für die Bildung des unabhängigen Staats Ukraine hatte das zwei Konsequenzen: zum ersten immer wieder aufbrechende Konflikte über ethnische Identität, nationale Symbole und 
geschichtliche Identifikationen. Zum zweiten die Okkupation des Staats durch konkurrierende Machtgruppen: Diese Gruppen nahmen die politischen Institutionen, die staatlichen Ämter, das Rechtssystem und die Medien für ihre Interessen in Beschlag.

Sprecher 2
(Nationalismus ist) "das letzte Wort des Kommunismus, ein letzter Versuch, eine soziale Basis für Herrschaft zu gewinnen", und zugleich eine "Technik, der Verantwortung für die 
Vergangenheit zu entgehen". 


Sprecherin 1:
Mit diesen Worten kommentierte Adam Michnik 1991 den Bewusstseinswandel kommunistischer Führer in dem Augenblick, in dem ihnen die staatliche Macht zu entgleiten drohte.

Sprecher 1:
Die nationalisierende Politik im Namen einer "Ukrainisierung der Ukraine" wurde durch die Privilegierung des Ukrainischen zur einzigen Staatsprache eingeleitet; sie setzte sich 
fort in der Subventionspolitik von Theatern und Verlagen, der Synchronisierung ausländischer Filme und der obligatorischen Unterrichtssprache in den Institutionen der höheren 
Bildung. Es galt den Bruch mit der russischen Herrschaft zu signalisieren; der offizielle Anspruch einer "tausendjährigen Tradition der Staatsentwicklung" sollte eine autonome 
Geschichte begründen. 

Musikakzent

Sprecher 1
Krawtschuk und Kutschma, die beiden postsowjetischen Präsidenten der Ukraine, waren jedoch eher politische Taktiker als leidenschaftliche Nationalisten. Nationalismus diente ihnen eher zur Legitimation ihres autoritären Regierungsstils. Sie verstanden aber auch, allzu polarisierende Themen zu vermeiden. Die nationale Unabhängigkeitsbewegung RUCH stimmte in diesen Kompromiss ein. Ihre Führer hatten in den ersten Wahlen nach 1991 erfahren, dass ihr Einfluss östlich von Kiew schnell endet. Eine Koalition mit national gewendeten Postkommunisten erschien als der beste Weg, eine nationale Bourgeoisie ins Leben zu rufen. 
Der exilukrainische Politikwissenschaftler Taras Kuzio hat in einer Studie über die Wehen der ukrainischen Staats- und Nationsbildung versucht, den Opportunismus der ersten ukrainischen Präsidenten zu rechtfertigen. Für ihn war die Integrität des wieder auferstandenen Staates allein dadurch sicherzustellen, dass die Ukrainer zur dominierenden "Kernnationalität" erhoben und die russische Bevölkerung auf eine der nationalen Minderheiten reduziert wurden. War der Staat erst einmal auf eine "nationale Idee" programmiert, dann erschien Artikel 11 der Verfassung von 1996 als patente Lösung des Problems:

Sprecher 2
"Die Ukraine kann beides sein, ein multi-ethnischer Staat, wie Kutschma argumentierte, und ein Staat, der gesetzlich regelt, dass nur eine ethnische Gruppe namensgebend ist und Anspruch auf das Staatsgebiet besitzt." 

Sprecher 1:
Damit war zugleich ein unitarischer Staatsaufbau festgeschrieben, der separatistischen Tendenzen im Osten und auf der Krim einen Riegel vorschieben sollte. Eine riskante Konstruktion, weil sie am dünnen Faden des westukrainischen Nationalismus hängt, der für sich ein fortschrittlicheres Bewusstsein reklamiert. Die "robustere westukrainische ethnische Nation", erklärt Kuzio, sei der ostukrainischen Bevölkerung evolutionär überlegen. Denn sie habe den Aufstieg zu einer modernen Staatlichkeit erfolgreich durchlaufen. Die Ostukrainer verharrten demgegenüber in einer vormodernen Zwischenwelt, in der sie auf politische Mobilisierung kaum ansprächen. 

Musikakzent

Sprecher 1:
Über die gesamte Unabhängigkeitsgeschichte der Ukraine erschienen der Donbass und die umliegenden Industriegebiete als suspekte Territorien, besiedelt mit einer "russifizierten" Bevölkerung von zweifelhafter Loyalität. Ohne symbolische Ressourcen, ohne legitime Identität, antiwestlich und kulturell rückständig, wurden sie verantwortlich gemacht für den Einfluss Moskaus; der Donbass galt als Heimstätte verhasster Oligarchen und als ökologische Katastrophenzone. Bereits Anfang der 1990er Jahre sah die Nationalbewegung RUCH mit Verachtung auf die bloß materiellen Forderungen der Bergarbeiter-Gewerkschaften herab, sprachen diese doch nicht auf eine nationale Identitätspolitik an. Der zentralistische Staatsaufbau war seit der Verfassung von 1996 durch Misstrauen motiviert, ein Misstrauen, das eine regionale Selbstverwaltung der östlichen Landesteile mit einer Einladung zur Abspaltung gleichsetzte. Hinzu kam ein anti-russischer Affekt, den die Kulturwissenschaftlerin Tetjana Zhurzhenko so beschreibt: 

Sprecherin 2
"Die russisch sprechenden Ukrainer und die Russen in der östlichen Ukraine sind dem ukrainischen Staat gegenüber politisch loyal; aber viele von ihnen wollen sich weder eine ukrainische kulturelle Identität aufzwingen lassen, die ethno-linguistische Kriterien mit anti-russischen Ressentiments kombiniert, noch die Entgegensetzung einer "europäischen Ukraine" zu einem "asiatischen Russland"".

Sprecher 1:
Nationale Mobilisierung, ethnische Polarisierung und regionale Spannungen waren in der prekären Staatlichkeit der unabhängigen Ukraine also von vornherein angelegt. 

Sprecherin 1:
Noch vor der Unabhängigkeit des Landes hatte der US-amerikanische Präsident George Bush senior in einer Rede im Ukrainischen Parlament vor einem "selbstmörderischen Nationalismus, gründend in ethnischem Hass" gewarnt, der das Land in eine Katastrophe jugoslawischen Ausmaßes führen könne. 

Sprecher 1:
Das hat ihm in den USA heftige Kritik seitens der 800.000 Exilukrainer eingebracht, die darin einen Verrat an ihrem über Jahrzehnte konservierten Ideal einer von Russland befreiten Heimat sahen. 
Tatsächlich haben US-amerikanische Exilukrainer eine wichtige Rolle in der Radikalisierung des westukrainischen Nationalismus gespielt. 

Sprecherin 1:
Kurz nach der Unabhängigkeit richtete die Stiftung des ungarisch-amerikanischen Multimilliardärs Soros einen Beraterstab für den ukrainischen Präsidenten ein, der sich aus Exilukrainern zusammensetzte. Das erste ukrainische Institut für öffentliche Politik wurde von Exilanten aus Kanada finanziert.

Sprecher 1:
Über Emigrantenkreise wurde schließlich auch der radikalere Nationalismus westukrainischer Studentengruppen aktiviert. 

Sprecherin 1:
Bereits 1980 war das Ukrainische Kongress Komitee für Amerika von Parteigängern des ukrainischen Faschismus der 1940er-Jahre übernommen worden. 

Sprecher 1:
Ein dichtes, finanziell gut ausgestattetes Netzwerk brachte etwa die Assoziation der Ukrainischen Jugend in den USA auf Kurs, die dann über Austauschprogramme und Schulungen in die Ukraine zurückwirkte. 
Am Machterhalt interessierte Politiker wie Krawtschuk und Kutschma haben die nationalistische Karte gleichwohl mit großer Vorsicht gespielt. Ihnen war klar, dass Wahlen in beiden Teilen der Ukraine gewonnen werden müssen. Alle Parlaments- und Präsidentschaftswahlen seit der Unabhängigkeit haben immer wieder regionale Trennlinien bestätigt. Westukrainische Wähler sprachen auf die symbolische Aufwertung einer nichtrussischen Ukraine, ihrer Sprache, Kultur- und Leidensgeschichte an. Wähler in der östlichen Ukraine und auf der Krim haben dagegen Kandidaten und Parteien bevorzugt, die den Anspruch der russischen Sprache verteidigten und für ausgeglichene Beziehungen zu Russland standen. Eine Überreizung der nationalistischen Karte riskierte mehrfach Autonomiebegehren im Donbass und auf der Krim. Der Sinn solcher Unabhängigkeitsbestrebungen bestand darin, die ostukrainische Verhandlungsposition in Kiew zu erhöhen. Denn nicht zuletzt war das wirtschaftliche Potential des Landes im Osten konzentriert. Die Manager der Minen und Unternehmen, deren Belegschaften, die Einwohner der großen Industriestädte und die politischen Netzwerke der östlichen Landesteile bildeten eine beträchtliche Machtbasis in der ukrainischen Politik.

Musikakzent

Sprecher 1
Die Privatisierung der ukrainischen Wirtschaft führte keineswegs zu Marktwirtschaft und Demokratie, sondern zu einem oligarchischen System. Die politische und die wirtschaftliche Macht konzentrierte sich in untereinander konkurrierenden Zirkeln - sie sind bis heute tonangebend. Die Führungspersonen dieser Clans sind in der westlichen Öffentlichkeit weniger bekannt als George Soros, Michael Bloomberg oder Rupert Murdoch - die westlichen Milliardäre mit großem Einfluss auf die Politik. Die Machtstellung ukrainischer Oligarchen stellt jedoch alles in den Schatten, was man aus den USA oder auch aus Russland kennt. 

Sprecherin 1:
In den ersten fünf Jahren der Transformation wechselte die Hälfte der Unternehmen in privaten Besitz. Die drei großen "Clans" der 1990er Jahre bildeten die territoriale und sektorale Organisation der ukrainischen Wirtschaft ab. Der Doneszker Clan gruppierte sich um Rinat Achmetov, die dominierende Gestalt der Schwer- und Metallindustrie; ihm gesellten sich der Industrieverband Donbass um Sergej Taruta, ferner Vitali Hajduk und die Gebrüder Klujew zu. Deie Dnepropetrowkser Gruppe war am engsten mit Kutschma verwoben, dem zweiten Präsidenten der Ukraine. Viktor Pintschuk, zunächst in der Metallindustrie engagiert, ist Kutschma familiär verbunden und stimmte seine Interessen mit der Finanzgruppe Privat von Ihor Kolomojski ab. Dieser Gruppe hatten sich zeitweilig Julia Timoschenko und Sergej Tiipko angeschlossen. Ein dritter, der Kiewer Clan, bezog seinen Einfluss aus direkten Verbindungen zur Präsidialverwaltung Kutchmas, verlor seinen Einfluss dann wieder unter veränderten politischen Rahmenbedingungen.

Sprecher 1:
Als Kutschma im August 1996 die Konsolidierung des ukrainischen Staats verkündete, hätte er zugleich den oligarchischen Durchgriff auf die Politik feststellen können. Denn im Verlauf seiner Amtsperiode von 1994 bis Anfang 2005 lösten sich die Clans durch Übernahmen und Zusammenschlüsse von ihren jeweiligen Regionen und besetzten politische Schlüsselämter in der Hauptstadt Kiew - dazu zählten das Energieministerium, die Leitung der Zentralbank, des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats und der Zollbehörde, die Posten der parlamentarischen Ausschussvorsitzenden, des Vizepremiers und des Außenministers. Massenloyalität wird im oligarchischen System seit Ende der 1990er-Jahre durch die Konkurrenz von Parteien erzeugt, in denen die verschiedenen Kapitalgruppen ihre Interessen koordinieren. Durch eigene Fernsehstationen und Zeitungen steuern die Mediengruppen der Clans ihre Öffentlichkeitsarbeit.

Sprecherin 1:
Die Konzentration wirtschaftlicher Macht im Vergleich: Die jeweils 50 reichsten Personen verfügen in den USA über ein Vermögen in Höhe von 4 Prozent des Sozialproduktes, in Russland sind dies bereits 18 Prozent. Das Vermögen der 50 reichsten Ukrainer beläuft sich auf 47 Prozent des Nationalprodukts.

Sprecher 1:
Die Veränderungen der ukrainischen Politik seit der Jahrtausendwende sind wechselnden Koalitionen dieser Kapitalgruppen und den daraus resultierenden Verschiebungen im Parteiensystem geschuldet. Die von Julia Timoschenko gegründete Vaterlandspartei sicherte sich Rückhalt beim größten Autoproduzenten Tariel Vasadze; Wiktor Juschenkos "Unsere Ukraine" erfreute sich der Unterstützung Poroschenkos, Tarutas und Hajduks. Daher war kaum zu erwarten, dass die 2005 siegreiche "Orangene Koalition" die Geschäftsgrundlage der Politik verändern würde. Vielmehr zogen mit Timoschenko Rivalitäten um die Verteilung der Gewinne aus dem Import von subventioniertem russischen Gas unmittelbar in die Regierung ein.

Musikakzent

Sprecher 1
All das hatte wenig mit dem Gegensatz zwischen einer pro-europäischen Politik der "Orangenen Koalition" und einer pro-russischen Orientierung der Ex-Regierung unter Wiktor Janukowitsch zu tun. Denn auch die außenpolitischen Optionen werden seit langem von den Investitionsinteressen der Industriegruppen bestimmt. 

Sprecherin 1:
In den östlichen Regionen entstandene Unternehmen sind in der Schweiz, Österreich oder Luxemburg registriert; Achmetow besitzt Stahlwerke in Italien und Großbritannien. Geschäftliche Angelegenheiten werden von internationalen Unternehmensberatern und Rechtsanwälten organisiert, Interessenkonflikte vor Gerichten in London oder New York ausgetragen.

Sprecher 1:
Vor allem Viktor Pintschuk argumentiert seit geraumer Zeit für einen raschen Beitritt zur EU und sponsert zur Vertiefung westlicher Kontakte den Ukrainischen Lunch beim Davoser 
Weltwirtschaftsforum. Umgekehrt hatten Poroschenko und Vasadze noch vor wenigen Jahren eine liberalisierungskritische Linie vertreten, um ihre Produktion durch Einfuhrzölle gegen 
die europäische Konkurrenz abzuschirmen.
Die Zuordnung oligarchischer Gruppierungen zu innen- und geopolitischen Lagern wäre bei dem in der ukrainischen Politik vorherrschenden Opportunismus daher trügerisch. Der 
westlich orientierte Präsident Juschtschenko hatte 2005 kein Problem, Janukowitsch den Weg zur Rückkehr an die Macht zu ebnen - auf Kosten von Julia Timoschenko. 

Sprecherin 1:
Der heutige prowestliche Präsident war einst Gründungsmitglied der ostukrainischen "Partei der Regionen" und 2001 deren stellvertretender Vorsitzender. Von 2009 bis 2010 
fungierte Poroschenko als Außenminister, und noch 2012 war er in Janukowitschs Kabinett für wirtschaftliche Beziehungen zuständig. 

Sprecher 1:
Im Westen aber gilt Poroschenko als "unser Oligarch". Wie aus Wikileaks-Dokumenten hervorgeht, hat er seit spätestens 2006 die US-amerikanische Botschaft in Kiew regelmäßig über 
die Interna der ukrainischen Koalitionsbildungen und Lagerkämpfe informiert, sie im Umgang mit der ukrainischen Führung beraten und sich als Anwalt eines Beitritts zur EU 
profiliert.
Eine Gesprächsnotiz der Botschaft vom 12. Februar 2010 etwa hält fest:

Sprecher 2:
"Außenminister Poroschenko begrüßte in einem Treffen mit dem Botschafter die Wahl Janukowitschs zum Präsidenten und distanzierte sich von Premierministerin Timoschenko. (...) 
Poroschenko warb für eine amerikanische Delegation zu Janukowitschs Amtseinführung. Er sagte, dass Janukowitsch seine erste Reise als Präsident nach Brüssel antreten will, um 
seinem pro-russischen Image entgegenzuwirken. (...) Poroschenko sagte, dass Janukowitschs Wahl in diesem Jahr im Einklang mit den Zielen der Orangenen Revolution stehe: freie 
und transparente Wahlen und eine friedliche Machtübergabe."

Sprecher 1:
Ähnlich schwer festzulegen ist Viktor Pintschuk, das überraschende Aushängeschild einer westlich gewendeten ukrainischen Elite und als solches der Gegenpart zu Rinat Achmetov. 
Beide hatten sich noch 2004 gegen die Orangene Revolution gestellt; beide hatten lange die "Partei der Regionen" und deren Spitzenkandidaten Janukowitsch gestützt. Zur gleichen 
Zeit aber begann Pintschuk eine eigene Außenpolitik für seine nach Westen ausgedehnten Geschäftsinteressen zu betreiben.
Zur Annäherung an die EU rief er 2004 die Yalta European Strategy ins Leben. Jedes Jahr trafen wirtschaftliche und politische Eliten im Sommerpalast des letzten Zaren auf der 
Krim zusammen, um die Annäherung der Ukraine an die EU voranzubringen.

Sprecherin 1:
Zu den Gästen gehörten Bill und Hillary Clinton, Tony Blair, Larry Summers, Bill Gates, Richard Branson und andere Prominente. Zum weiteren Freundeskreis zählen Henry Kissinger, 
Stephen Spielberg und die Obamas. 

Sprecher 1:
Greifbaren Einfluss auf die internationale Politik sichert sich Pintschuk über Einzahlungen in das globale Stiftungswesen. Als Verbindung zur europäischen politischen Klasse 
erschien die Tony Blair Stiftung als geeignete Wahl. Zugang zur stark umworbenen Washingtoner Szene, aber auch zum hart umkämpften Stahlmarkt der USA, verschaffte sich Pintschuk 
seit 2006 durch Millionenspenden an die Clinton Stiftung. Ein besonderer Coup gelang durch Zuwendungen an die Brookings Institution und das Peterson Institute for International 
Economics, in dessen Vorstand er zugleich sitzt. Anders Aslund, der Osteuropa-Experte des Peterson Institute lieferte eine Biografie, die Pintschuk Absolution erteilte:

Sprecher 2:
"Die gesamte ukrainische Elite setzt sich aus Schwerverbrechern zusammen - er ist keiner." 

Sprecher 1 
Gleichwohl war Pintschuk sehr zurückhaltend, was die Unterstützung des Maidan-Protestes anging. Lange Zeit zögerte er, Stellung zu beziehen - bis er sich schließlich zu einem 
Mann des Volkes erklärte: 

Musikakzent

Sprecher 1
Petro Poroschenko war weit weniger zurückhaltend, was seine Rolle beim jüngsten Machtwechsel angeht. Wie er selbst angibt, war er von Anfang an in die Organisation des Maidan 
involviert. Was aber hatte Poroschenko und die mit ihm verbundenen Oligarchen veranlasst, Wiktor Janukowitsch, ihrem Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen von 2010, nur drei 
Jahre später die gesamte Misere der 25-jährigen Geschichte der unabhängigen Ukraine anzulasten?
In der internationalen, westlichen Öffentlichkeit galt zweifellos die im November 2013 einsetzende Protestwelle als entscheidender Schritt. In den Augen des US-amerikanischen 
Historikers Timothy Snyder führte sie über eine "klassische Volksrevolution" zum Fall des verhassten Präsidenten. Ausgelöst durch die Twitterbotschaft eines Journalisten, 
verbreitet durch moderne Medientechnologie, war die protestierende Menge auf dem Kiewer Unabhängigkeitsplatz in kürzester Zeit auf über 100.000 Menschen angewachsen. Der Protest 
verfügte über eine breite soziale Basis: Studenten, Angehörige der Mittelklasse, Unternehmer und Rentner waren dabei; auch die unterschiedlichen Regionen waren vertreten.
Repressive Staatsgewalt und Widerstand gegen die Sicherheitskräfte bestimmten den weiteren Verlauf der Demonstrationen. In der zweiten Januarhälfte 2014 sprach Witali Klitschko, 
der von der deutschen Regierung vorgeschlagene Kandidat für die künftige ukrainische Führung, von möglichen Toten und der Gefahr eines Bürgerkriegs. Nach dem Tod der ersten 
Demonstranten führte diese Dynamik zur Forderung nach Janukowitschs Rücktritt. Dann gab es kein Zurück mehr. Kompromissvorschläge des Präsidenten, die repressiven Gesetze gegen 
den Straßenprotest zurückzunehmen und die Einladung an die Führer der oppositionellen Parteien, Posten zu übernehmen, kamen zu spät. Das Angebot, die Verfassung im Sinne der 
Forderungen des Maidan zu ändern und die nächsten Wahlen auf den Dezember 2014 vorzuziehen, hatte keinen Einfluss mehr auf den Gang der Ereignisse.
Zu sehr hatten sich die Ziele und Methoden des Maidan verschoben: Im Februar 2014 sprachen sich über die Hälfte der befragten Demonstranten für die Bildung bewaffneter 
Formationen aus. Ihr Ziel war in den Worten von Andrew Wilson, des Ukraine-Spezialisten des European Council on Foreign Relations, eine "nationale Revolution" gegen die 
"kreolischen Machthaber" - gegen "die russisch sprechende kriminelle Compradoren-Elite der Ukraine (die normalerweise das "Regime der internen Besetzung" genannt wird)." 
Zur Überraschung der angereisten polnischen, französischen und deutschen Außenminister wurde der von ihnen vermittelte Kompromiss zwischen dem Maidan-Rat und dem Regime über 
Nacht gegenstandslos.

Musikakzent

Sprecher 1
Es lag im Trend der westlichen Berichterstattung, dass Wilson die Ideologie und die Sprache westukrainischer Nationalisten übernahm. Deren Parolen entfalteten ihre fatale 
Wirkung später in der Identifizierung des inneren Feinds im Osten. Für die westlichen Medien verkörperte der Maidan die moderne ukrainische Zivilgesellschaft auf dem Weg nach 
Europa. Der Osten erschien als eine überalterte, in sowjetischer Mentalität gefangene Industrieregion. Wilson ging noch einen Schritt weiter. Er rechtfertigte die Gewalt der 
radikalen Stoßtrupps des Maidan als Lernprozess gegenüber den letztlich erfolglosen Aktivisten von 2004. Der Erfolg schien ihm Recht zu geben. Radikale Nationalisten erbeuteten 
bei Überfällen auf westukrainische Polizeistationen und Militärbasen größere Mengen an Waffen. Die Drohung diese Waffen gegen die Sicherheitskräfte auf dem Maidan einzusetzen, 
erreichten ihr Ziel. Janukowitschs Regime zerfiel, als seine Sicherheitskräfte keinen bewaffneten Kampf mit der sogenannten "Selbstverteidigung des Maidan" riskieren wollten. 
      
Musikakzent

Sprecher 1
Der anfangs beschriebene "Mythos Maidan" legt es nahe, den Sturz von Janukowitsch nur auf den Kiewer Straßenprotest zurückzuführen. Doch das greift zu kurz. Lange bevor die 
Bewegung sich aufbaute, hatte sich Widerstand in den Reihen der Oligarchen geregt. Janukowitsch hatte begonnen, in die Verteilungsverhältnisse der Clans einzugreifen. Er 
entwickelte Techniken, die aus der Verteilung subventionierter russischer Energie abfallenden Renten in seinem engeren Zirkel zu konzentrieren. Selbst von Haus aus kein 
Oligarch, wollte er für seine "Familie" das Aufstiegsmodell der 1990er-Jahre nachholen. Zur Konsolidierung seiner Macht hatte er die Posten des Finanzministers und des 
Zentralbankchefs mit eigenem Personal besetzt. Ein Extraaufschlag auf alle Deals in die Taschen seines Kreises aber ging den etablierten Oligarchen zu weit.
Poroschenko war das Gesicht, mit dem sich die neu gebildete Anti-Janukowitsch Koalition der ukrainischen Oligarchie offen auf die Seite des Politikwechsels stellte. Sie verstand allerdings darunter keinen Wechsel des Systems, sondern nur einen Austausch des Personals. 

Sprecher 2:
"Von Anfang an war ich einer der Organisatioren des Maidan. Mein Fernsehkanal - Kanal 5 - spielte eine ungemein wichtige Rolle. Wir gaben den Journalisten die Gelegenheit, 
die Wahrheit zu erzählen. (...) Am 11. Dezember, als wir die stellvertretende amerikanische Außenministerin Victoria Nuland und die EU-Vertreterin für Außen- und 
Sicherheitspolitik Catherine Ashton in Kiew zu Besuch hatten, während der Nacht, als der Sturm auf dem Maidan begann, stellte ich mein Auto vor die Reihen der Polizei. 
Zu der Zeit, als Kanal 5 zu senden anfing, waren gerade einmal 2000 Leute auf dem Maidan. Aber im Verlauf der Nacht, kamen die Leute zu Fuß - sieben, acht, neun, zehn Kilometer 
weit her. Sie verstanden, dass dies ein Kampf für die ukrainische Freiheit und Demokratie ist. Innerhalb von vier Stunden waren nahezu 30.000 Leute angekommen." 

Sprecher 1:
Im entscheidenden Moment schwenkten auch die Fernsehkanäle Achmetows und anderer Oligarchen auf die Seite der Demonstrationen um; und auch Victor Pintschuk feierte die "Helden 
des Maidan" als "Wegbereiter eines neuen Landes". 
Poroschenkos Geschick bestand darin, sich der Öffentlichkeit als einen Oppositionellen im Kampf gegen Verbrechen und Korruption zu präsentieren - obwohl er sein breit 
investiertes Vermögen auf typisch postsowjetische Weise erworben und in allen Regierungen seit 2004 Führungsfunktionen ausgeübt hatte.
In der Konstellation des Maidan war Poroschenko in zweifacher Hinsicht der geeignete Mann, um die Kontinuität des oligarchischen Systems über Janukowitsch hinaus zu wahren. 
Einerseits war er erfahren genug, um die Rückkehr einer unberechenbaren Rivalin wie Julia Timoschenko an die Macht zu verhindern. Andererseits war Poroschenko für die Mehrheit 
des Maidan, dank seiner medialen Unterstützung, glaubhaft genug, um die radikaleren Forderungen nach einem Umsturz des Systems abzufangen. Die Patrone der "Partei der Regionen" 
wiesen ihre Parlamentarier an, Janukowitsch des Amtes zu entheben. 

Musikakzent:

Sprecher 1:
Ein Jahr nach dem Ende Janukowitschs wird nun deutlich, dass der Führungswechsel nicht einen der strukturellen Mängel des Landes behoben hat. Im Gegenteil: die Konfrontation 
mit Russland hat der Ukraine ein gravierendes Problem hinzugefügt. Der Krieg im Osten ist nicht nur eine militärisch aussichtlose Auseinandersetzung: er hat auch als Vorwand 
dazu gedient, lange versprochene Reformen in Staat und Wirtschaft hinauszuschieben. Außerhalb der offiziellen Maidan-Zeremonien stellt die prominente Aktivistin Kataryna Kruk, 
einen "besorgniserregenden Machtmissbrauch auf höchster politischer Ebene" fest: 

Sprecherin 2:
"Es ist traurig zu sehen, dass die post-EuroMaidan Politiker keine Schritte unternommen haben, das Parlament von einem Ort, an dem Deals ausgehandelt werden, in eine unabhängige 
Institution der Macht zu verwandeln."  

Sprecher 1:
Wenn die Verantwortung für die prekäre Lage der Ukraine auch zuallererst auf die ukrainischen Eliten zurückfällt, haben externe Akteure die Probleme des Landes doch entscheidend 
verschärft. Zwar zeigen in dieser Frage alle Finger auf Moskau. Die geopolitische Zuspitzung des Konflikts wurde jedoch von der Europäischen Union vorgezeichnet. Sie hatte die 
ukrainische Regierung vor die trügerische Alternative einer Assoziierung mit der EU oder eines Beitritts zum Projekt einer Eurasischen Wirtschaftsunion gestellt. Ein bloßer 
Blick auf die Zusammensetzung der ukrainischen Exporte macht klar, dass ein exklusives Handelsabkommen mit der EU der ukrainischen Wirtschaft wenig Perspektiven bietet. Die 
ukrainischen Exporte nach Westen setzten sich zu über 80 Prozent aus Rohstoffen oder Halbfertigprodukten zusammen. Dagegen bestehen 60 Prozent der Ausfuhren in die postsowjetische
 Region aus industriellen Fertigwaren. Die schwerpunktmäßig im Osten angesiedelte Produktion ist komplementär zu den russischen Industrien. Außerhalb dieser länderübergreifenden 
Verflechtungen ist die ukrainische Schwerindustrie kaum konkurrenzfähig. Der inzwischen unterbrochene Handel mit Russland gibt einen bitteren Vorgeschmack auf die Zukunft. Die 
Ukraine ist nicht einmal in der Lage, Waffen für ihre Armee herzustellen, da ihr die russischen Zulieferungen fehlen. Die Kiewer Antonov-Werke, der technologische Stolz der 
Flugzeugindustrie, liegen nach dem Wegfall der russischen und kasachischen Nachfrage still.

Musikakzent

Sprecher 1:
Der geopolitische Konflikt um die Ukraine hat sich nicht am Assoziierungsabkommen entzündet, sondern an dessen Nichtunterzeichnung. Die EU hat diesem Rückzug jede innenpolitische 
Rationalität abgesprochen und durch den langen Arm Moskaus erklärt. Sie hat den Wunschgedanken des Kiewer Protests, der desolaten wirtschaftlichen Lage durch den Absprung nach 
Westen zu entkommen, durch Wohlstandsversprechen genährt. In den südeuropäischen Krisenländern aber hatte die EU solche Versprechungen längst schon entwertet.
Erst spät ist europäischen Politikern aufgegangen, dass die Alternativen des Assoziierungsabkommens zu riskant formuliert waren. Der deutsche Außenminister hat den Fehler des 
Ukraine-Abkommens zumindest nachträglich eingeräumt, um ihn gegenüber Moldawien und Georgien nicht zu wiederholen. 
Diese Einsichten kamen allerdings zu spät. Russland hat seine Entscheidung zur "Annexion" der Krim nicht angesichts des Regierungssturzes in Kiew getroffen, sondern aus dessen 
Einordnung in eine längere Konfliktgeschichte. Die Modalitäten der NATO-Erweiterung waren dabei der springende Punkt. Es war der Moskauer Führung sehr wohl bekannt, dass die 
neue ukrainische Regierung energischer auf eine NATO-Mitgliedschaft drängen würde, als ihre Vorgänger. Und es war ungewiss, ob die europäischen Regierungen noch einmal, wie 
2008 auf dem NATO Gipfel in Bukarest, der US-amerikanischen Initiative widerstehen würden, die Ukraine aufzunehmen. Seit mehr als einem Jahrzehnt hatte das Bündnis seine 
Interessen als Friedensmacht in Russlands Nachbarschaft ausgespielt.
Doch für Russlands Sicherheitsverständnis zählen weniger die Selbstdarstellungen der NATO als die eigenen Erfahrungen des 20. Jahrhunderts.

Sprecherin 1:
Eine große Mehrheit unter den heutigen NATO-Staaten hatte sich an der Intervention in den Russischen Bürgerkrieg 1917 beteiligt. Die polnische Armee war 1920 bis nach Kiew und 
Minsk vorgestoßen. Fünf heutige NATO-Mitglieder waren 1941 an deutscher Seite in Russland einmarschiert. Auf der Krim wurde Chruschtschow auf die in der Türkei stationierten 
atomaren Mittelstreckenraketen des Westens aufmerksam, die innerhalb weniger Minuten die südrussische Industrieregion erreicht hätten - und brachte im Gegenzug Kuba ins Spiel. 



Sprecher 1:
Die Arroganz westlicher Macht aber hat die immer wieder, bis in den November 2013 vorgetragenen Sicherheitsbedenken Moskaus ignoriert. Die Schwäche der russischen Politik in 
den 1990er Jahren galt immer noch als Normalfall. Die auf dem Maidan auftretenden US-amerikanischen Politiker haben den Extremfall russischer Nachgiebigkeit sozusagen 
"gewohnheitsrechtlich" herausgefordert und sind vom unerwarteten Gegenzug verblüfft - die Menschen der Ukraine bezahlen dafür. 

Absage:
Die Ukraine am Abgrund
Wie oligarchische Politik und ethnische Polarisierung die Ukraine zerreißen
Ein Dossier von Klaus Müller
Sie hörten eine Produktion des Deutschlandfunks 2015.
Es sprachen: Axel Gottschick, Hendrik Stickan und Marietta Bürger
Ton und Technik: Wolfgang Rixius und Kiwi Hornung
Regie und Redaktion. Karin Beindorff

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Prof. Dr. Klaus Müller ist Politikwissenschaftler und ein Experte für die Transformationsprozesse im ehemaligen 
Ostblock. Er lehrt an der AGH University for Science and Technology in Krakau.


Literatur, Quellen:
i www.sueddeutsche.de/.../konflikte-report-tausende-ukrainer-vereint-in-stolz- und-trauer-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-150222-99-05477. 22. Februar 2015.
ii Washington Post, Troubled Ukraine marks year since protest bloodbath in Kiev, 20.2.2015.
iii Gatehouse, Gabriel: The untold story of the Maidan massacre, BBC News, 12th February 2015. http://www.bbc.com/news/magazine-31359021
iv Shevel, Oxana 2015: How Putin turned Ukraine to the West, Washington Post, 10.Oktober 2014.
v www.capital.ua/.../37889-novaya-rada-stala-zalozhnikom-chrezmernykh- ambitsiy-deputatov-i-oligarkhov?
vi Shuster, Simon 2014: Right-Wing Thugs Are Hijacking Ukraine's Liberal Uprising, Time Magazine, 28. Januar 2014; Ishhenko, Volodymyr 2014: The Ukrainian protesters must make a decisive break with the fascists, Guardian, 7. Februar 2014.
vii Sharkov, Damien 2014: Ukrainian Nationalist Volunteers Committing 'ISIS-Style' War Crimes, Newsweek, 10 Sept. 2014; Fl�ckiger, Paul 2015: Krieg im Donbas. Fl�chtlinge berichten von �bergriffen ukrainischer Freiwilligenbataillone, Tagesspiegel, 4. M�rz 2015.
viii Shekhovtsov, Anton 2015: Entwicklungsperspektiven der rechtsradikalen Kr�fte in der Ukraine, Ukraine Analysen No 144, 28. 1. 2015.
ix http://www.atocrimea.org/en/publication/ukraines-volunteer-battalions-the-new-model-army.
x Kirby, Paul 2015: Ukraine conflict. Why is east hit by conflict?, BBC News Europe, 18. Februar 2015 http://www.bbc.com/news/world-europe-28969784
xi Dubasevych, Roman 2014: Was bleibt nach dem Majdan? http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/ukraine-krise-was-bleibt-nach-den-majdan-protesten-13437657.html
xii Michnik, Adam 1991: Nationalism, in Social Research, Jg. 54, Nr. 3, 759 u. 760
xiii Kuzio, Taras 1998: Ukraine. State & Nation-Building. Routledge. 
xiv Kuzio 1998, 126
xv Kuzio 1998, 4f.
xvi Zhurzhenko, Tetiana 2014: From Borderlands to Bloodlands, Krytyka, 18.12.2014
xvii Plokhi, Serhii 2014: The Last Empire, New York: Basic Books, S. 47-69, hier 64.
xviii King, Charles 2010: Extreme Politics. Nationalism, Violence & the End of Eastern Europe, Oxford, S. 142f.
xix Subtelny 2000: Ukraine. A History, 3. Auflage, Toronto, 559f.; 593-595.
xx Wilson, Andrew 2013: Ukraine, in Coleman, Isobel & Lawson-Renner eds. 2013: Pathways to Freedom, New York, 188. 
xxi https://wikileaks.org/plusd/cables/10KYIV246_a.html. 
xxii Chozick, Amy 2014: Trade Dispute Centers on Ukrainian Executive With Ties to Clintons, New York Times, 12. Februar 2014
xxiii Soldak, Katya 2014: Ukraine's Victor Pinchuk. The Oligarch in the Middle of the Crisis, Forbes, 3. M�rz 2014.
xxiv Snyder, Timothy 2014: Die Ukraine hinter dem Schleier der Propaganda, in Euromaidan. Was in der Ukraine auf dem Spiel steht. Ffm., S. 131.
xxv Wilson, Andrew 2014: Ukraine Crisis, New Haven, S. 73-76
xxvi Wilson, Andrew 2014, 70
xxvii Higgins, Andrew/ Kramer, Andrew 2014: Ukraine Leader Was Defeated Even Before He Was Ousted, New York Times, 3.1.2014.
xxviii Weymouth, Lally 2014: Interview with Ukrainian Presidential Candidate Petro Poroshenko, Washington Post, 25. April 2014.
xxix Neef, Christian 2014: The Power of Ukraine's Billionaires. SpiegelOnline, 25.2.2014; Bender, Yuri 2014: In the Wake of Turmoil, the Role of Ukraine's Oligarchs is under Scrutinity, Financial Times, 27.3.2014.
xxx Kateryna Krug 2015: War is not an Excuse, New Eastern Europe, March-April 2015, 21-27.
Natürlich antwortete Professor Freise zusammenfassend und brachte aus seiner Sicht auf den Punkt:
Gesendet: Samstag, 21. März 2015 um 18:44 Uhr
Von: „Freise, Matthias“
An: „Klaus-Peter Kostag“ <Kostag@gmx.net>
Betreff: AW: Empirie/ Dossier in einem so genannten „Hörspiel“/ Hintergrund Kultur. Überzeugend ernsthaft, der Professor Müller. Keine Trivialliteratur über Gefühle, sondern belegt, faktengestützt. Schreibt völlig anders als Sie, nicht mit Bauch, sondern Hirn!
Sehr geehrter Herr Kostag,
wenn Sie bitte aufhören würden, mich oberlehrerhaft mit tendenziösen Berichten zu bombardieren. Ich habe nur über Dinge geschrieben, die ich beurteilen kann, und über den Maidan nur ganz am Rand. Die Protestbewegung dort bestand meines Wissens nicht aus faschistischen Banden. Im übrigen wird jede gute und jede schlechte Revolution mythisiert. Das spricht weder für noch gegen sie. Ihre Gebete können Sie sich sparen. Das ist doch abgeschmackt. Ihre Ergüsse und Ihre lange CC-Liste zeuen von einer veritablen Profilneurose.
M. Freise
Daraufhin antwortete ich selbstkritisch einsichtig, meine CC-Liste dabei jedoch schmunzelnd noch weit läääääääääääääääänger gefasst:
Verehrter Herr Professor Freise,
ich messe Sie nicht in erster Linie daran, ob Ihnen Alles fehlerlos gelingt. Ich messe Sie jedoch daran, wie Sie mit Ihrem weniger berauschenden Mittelmaß umgehen. Mittelmaß waren außer Ihrem Brief an die Frau Professor Schmalz-Krone leider auch Ihre Antworten an mich. Oberflächliche Schnellschüsse voller Gefühl, Verdächten und mittelmäßiger Polemik anstatt mich besser intellektuell überzeugend zu widerlegen oder gar beschämen zu können.
Wenn Sie beispielsweise meine 1975 beurkundete Diplomlehrerschaft jedoch als nur „Oberlehrer“ weit unterschätzen, versichere ich Sie sogar noch zusätzlich reichlich erworbener verdammt lehrreicher Praxis und deren Erfahrungen in 40 Erfolgs-Jahren.
Stellen Sie sich mich als einen Lehrer vor, der für sein Fach nicht nur brennt, Herzen und Hirne zum Leuchten bringt, sondern selbst in 9 Jahren zuvor 20 internationale Medaillen gewann. Ich bin also lebendes Beispiel für das, was ich lehre. Meine Thai-Schützlinge aus Chonburi haben letzte Woche beim Thailandmeeting in Chantaburi 9 Goldmedaillen und den Ehrenpreis für die beste Kämpferin des Turniers erkämpft. Chonburi gewann auch die Gesamtwertung. Daran war ich intensiv mit Rat und Tat beteiligt.
Sie stelle ich mir vor,  sind in Ihrem Fach ein erstklassiger Hochschullehrer, nicht nur Ihre Studentinnen dürften hingerissen sein von Ihnen als Mann, sondern Sie sind imstande Ihr ganzes Umfeld zu begeistern. (Übrigens: Einziger Geburtstagswunsch zu meinem 18. war ein echt dickes Buch: „Russische Volksmärchen“)
Diese Erstklassigkeit könnten Sie in künftig Offenen Meister-Briefen vorführen. Zwei solcher Beispiele sandte ich Ihnen.
Ich kenne viele Kollegen, die exakt erst durch zunehmend selbstkritischere Haltumg von Mittelmaß zu Erfolgsmenschen wurden. Das haben Sie auch drauf, bin ich sicher. Sie müssen gar nichts, könnten aber Ihren eigenen hohen Ansprüchen nur mit einem Neustart gerecht werden.
Fürchte ich?
Hoffe ich !!!
Weil ich, siehe Oben, auch geneigt bin, Sie weniger an der Flachheit Ihrer Inhalte, sondern vielmehr daran messe, dass Sie geantwortet haben!
Stellen Sie sich einfach vor, die Mails von mir seien die von einem kritischen Begleiter, nicht von einem Konkurrenten, Neider, nicht von einem Beschmierungs-Orgiasten.
Vielleicht lohnt es sich, noch einmal zu lesen?
Klaus-Peter Kostag
Wenige Stunden später:
Gesendet: Dienstag, 24. März 2015 um 22:29 Uhr
Von: „Blog Dialogical Humanities“
An: Kostag@gmx.net
Betreff: Publikation in Ihrem Blog kostagblog.wordpress.com
Sehr geehrter Herr Kostag,
 
 
sie haben vor kurzem Ihre Korrespondenz mit Prof. Freise in Ihrem Blog veröffentlicht. Ich möchte Sie bitten, die darin im Klartext enthaltene Email-Adresse von Prof. Freise zu entfernen bzw. unkenntlich zu machen. Wir kennen alle die Gefahr der Spam-Bots, die nur darauf lauern, offen liegende Email-Adressen aufzusammeln. Vielen Dank im Voraus!
 
 
Mit freundlichen Grüßen,
 
 
Jahangir Bashirov
Administrator von Dialogical Humanities
Meine Antwort:
Hallo einäugig wachsamer Jahangir,
„Die Zensur ist das lebendige Eingeständnis der Herrschenden, daß sie nur verdummte Sklaven treten, aber keine freien Völker regieren können.“ – Johann Nepomuk Nestroy
– Zensur in Blogs ist sowas, wie das Hissen einer weißen Fahne. Sie wird praktiziert von weniger streitbar eitlen recht haben Wollern,
von vornherein AUFGEBERN, die sich zu beschränkt fühlen, die Zensierten öffentlich und unbestreitbar widerlegen zu können.
– Zensur ist der Beleg dafür, dass nicht freie Meinungsbildung befördert, sondern Meinung zielstrebig  m a n i p u l i e r t  wird.
– Zensur nährt neben dem Verdacht der Unfähigkeit den,  b e a u f t r a g t  zu sein.
– Zensur ist  V e r w e i g e r u n g   v o n   D i a l o g ,  exaktes Gegenteil von laut beschworener „Dialogical Humanities“
Ihre Zensur aber sei anders, eine doch nur herzensgut gemeinte? Zensur allein als Schutz für mich, mit meinen perversen An- und Einsichten nicht Volkszorn, gerechte Strafe und Shitstorm herauszufordern?
Andere Zensoren, professionellere als Sie, bemüht, ihre Manipulation, ihre intellektuelle Unfähigkeit, ihre fehlenden Argumente besser zu bemänteln als Sie, Jahangir, versuchen jedoch den konkreten Weglassungsakt wenigstens fadenscheinig zu erklären. Ein allemal korrekterer Ansatz als der Ihrer Unfähigkeit/Feigheit geschuldete!
Ein in Ihrer Mail wohl eher unfreiwillig fabrizierter Beleg für eine übergreifende Einheit von Form und Inhalt, ein brieflicher Leckerbissen, nur noch übertroffen vom allerlustigsten Naivtext der letzten Jahre, der journalistischen Kostbarkeit
ist Ihr :
„Ich möchte Sie bitten, die darin im Klartext enthaltene Email-Adresse von Prof. Freise zu entfernen bzw. unkenntlich zu machen.“
(An solcher Stelle fragte mein Deutsch Oberlehrer Martin Siebke permanent: „Na, warum bitten Sie dann nicht?“)
Und begründen tapfer, als wenn Sie denn tatsächlich darum gebeten hätten:
„Wir kennen alle die Gefahr der Spam-Bots, die nur darauf lauern, offen liegende Email-Adressen aufzusammeln.“
Ich fand die E-Mail-Adresse vom Herrn Professor Freise mühelos an gleich mehreren Stellen im Web öffentlich frei zugänglich und völlig ungeschützt! Das waren, sind und werden auch künftig mögliche Fundstellen für Spam-Bots (und Schlimmeres, gar Kritik?) bleiben.
Prominenz scheint wohl doch auch ihren Preis zu haben.
Aber Ihnen fällt plötzlich meine lediglich zusätzliche Veröffentlichung als genau eine zuviel auf?
Das erscheint mir ähnlich wie die folgend garantiert wahre Begebenheit, wo ein Gerippe zum Arzt kommt und der schmunzelt:
„Bisschen spät, was?“
Im Gegenzug für Ihre Sie entlarvende Zensur revanchiere ich mich angemessen mit Boykott Ihres fleißig bemühten ManipulationsAuftrags-Blogs. („Manipulations-Blog Dialogic Humanities“?)
Viel Spaß beim Dazulernen, üben Sie weiter. Manipulation funktioniert halt nur wirklich gut wenn sie unentdeckt ist, oder aber, wenn Ihre Zielgruppe intellektuelle Unterschicht a la „BLÖD“ wäre. Ist das Ihr Anspruch?
Klaus-Peter Kostag
Eine zu späte aber freundliche Antwort:
Gesendet: Mittwoch, 25. März 2015 um 11:06 Uhr
Von: „UHSP, slavlit“
An: „Klaus-Peter Kostag“ <Kostag@gmx.net>
Betreff: AW: Endlich lerne ich einen, meinen Zensor persönlich kennen, welch ein glücklicher Zufall, ich bin gerührt, trägt er doch menschliche Züge.

Sehr geehrter Herr Kostag,

vielen Dank für Ihre nette Email. Sie haben recht: Ich hatte es tatsächlich versäumt, die Moderationsregeln offen zu legen. Dies habe ich nun nachgeholt. Es ist wahrscheinlich müßig, Ihnen erklären zu wollen, warum Ihre Kommentare es nicht in den Blog geschafft haben. Ich versuche es trotzdem: In Ihren Kommentaren diskutieren Sie nicht wirklich über Sachverhalte, Sie greifen persönlich an – und das auf eine sehr provokante und aggressive Weise. Und genau diese Eigenschaft Ihrer Texte ist einem Dialog nicht zuträglich. Der Dialog endet dort, wo der Schlagabtausch beginnt. Dies nicht zuzulassen ist meine Aufgabe als Blog-Administrator.
Ihre Ausführungen hinsichtlich der Zensur kann ich nicht auf mich beziehen. Wenn Sie die bisher veröffentlichten Kommentare durchlesen, werden Sie feststellen, dass sie viele Gegenstimmen enthalten. Hingegen habe ich auch zustimmende Kommentare nicht durchgelassen, die – genau wie Ihre – nicht Sache, sondern Person zu ihrem Inhalt hatten.
Ich bitte Sie noch einmal, die Email-Adresse von Prof. Freise in Ihrem Blog unkenntlich zu machen. Auch wenn Sie recht haben, dass sie auch auf anderen Seiten offen liegt, besteht dennoch ein großer Unterschied: Auf den Seiten verschiedener universitärer Einrichtungen wurde sie mit Zustimmung des Besitzers veröffentlicht, und hier gehört sie auch tatsächlich hin. In Ihrem Blog dagegen hat sie nichts zu suchen. Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Mit freundlichen Grüßen,
Jahangir Bashirov

Meine Entgegnung:
Hallo Jahangir,
sowohl Ihre als auch Professor Freises Mailadressen  s i n d  absolut unkenntlich in der von Ihnen angedeutet vorstellbaren
Spam-Bot-Angriffsrichtung. Die von mir gewählte Art des Versteckens ist weltweit üblich, erfordert aber genaues Lesen und Erkennen, nicht nur mal so Überfliegen durch den Administrator.
Es gibt nur Straftatsbestände und Ordnungswidrigkeiten, die Sie als Administrator bei Kommentaren ausmerzen müssen. Gesetzwidrigkeiten also. Dazu gehören jedoch keinesfalls scharfe Kritik, Polemik, Satire, Schlagfertigkeit. Sie,  Jahangir, maßen sich jedoch an, zu entscheiden, dass Schärfe im Dialog nicht mehr Dialog, sondern bereits „Schlagabtausch“ sei. Ab exakt welcher Schärfe, an genau welcher Stelle der Skala von Aggression und Provokation Sie als Administrator meinen, ihre Leserschaft vor Schaden bewahren zu müssen, ist also bei Ihnen statt Norm (Gesetze, Verordnungen) rein subjektive  E r m e s s e n  s f r a g e.
Genau das ist der Grund für mich, Sie nach Probe leidenschaftslos boykottieren zu müssen.
Mein Vorwurf an Herrn Freise war der der Mittelmäßigkeit. Eine Persönlichkeit die mehr glaubt als weiß. Das aber poetisch beeindruckend beschreiben kann. Er ist ja tüchtig, bemüht, vielleicht sogar liebenswürdig. Um mich nicht zu verschwenden nur ein einziges konkretes Beispiel, ich schrieb ihm:
„Es gibt eine Methode des Denkens in Zusammenhaengen. Hegelsche Dialektik, die mir als frueherem Kriminalisten sehr geholfen hat, komplizierte Zusammenhaenge nicht nur objektiv zu verstehen, sondern sie anschliessend der Staatsanwaltschaft und Gerichten sogar verstaendlich darlegen zu koennen. Gerade in der Aufklaerung raetselhafter Vorgaenge musste ich neben den vielen einfachen W-Fragen haeufig ermitteln, wem etwas nützt oder schadet, um bis hinter die letzten Geheimnisse zu kommen.
Nun hat er entweder nicht gelesen, oder nicht verstanden, was er las, oder einfach das Signal-Wort „Motiv“ beim Überfliegen nicht entdeckt, das geht aus seiner Antwort nicht hervor:
„Ihre Einlassungen sind auch nicht gerade faktenreich, eher spekulativ wie die von Ihnen geschätzte Philosophie Hegels. Als ehemaliger Kriminalist wissen Sie übrigens bestimmt, dass bei einem Verbrechen die wichtigste Frage die nach einem Motiv ist. Wo ein Motiv ist, in die Richtung muss auch ermittelt werden.“
Und dieses an einem repräsentativen Mittelmäßigkeitshöhepunkt gezeigte Mittelmaß in Aufmerksamkeit (und dadurch eingeschränkt scharfsinnigem Erfassen von Zusammenhängen, Beziehungen, Abhängigkeiten) zieht sich wie ein roter Mittelmaß-Faden durch seine schriftlich mittelmäßigen Belege im Offenen Brief und seinen Mails. Der Professorin Krone-Schmalz war er deswegen keine Antwort wert. Deswegen tut er mir wirklich nicht nur mittelmäßig sondern herausgehoben leid, was Großes hätte doch mit einem wahrhaft dialektischen Denkansatz aus diesem Mann alles werden können.
Vergessen Sie doch mal alle Vorurteile Jahangir, lesen Sie nur noch einmal seine und meine persönlichen Zeilen. Lassen Sie zeithalber die vorgeführt brillanten Beispiele seiner professoralen Kollegen großzügig weg.
Und dann widerlegen Sie mich. Zumindest versuchen können Sie es ja. Na? Fällt Ihnen was auf?
Alles Andere als mich zu widerlegen ist rein subjektive Ermessensfrage und Ihr Urteil machte Sie nackt, verriet mehr über Sie als Kleingeist, Mittelmaß oder Kapazität, als es gut für Ihren Ruf ist.
Aber Sie kommen dadurch nun zu einem unschätzbar großen Vorteil:
Ich werde zuzüglich zu Herrn Freise auch Sie in meine Gebete einbeziehen.
Mit freundlichem Gruß aus Chonburi,
Klaus-Peter Kostag
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